Willkommener Gast bei der „AG Jagdvereine Nordhessen“?


Am 17. und 18. November 2012 hat die „Arbeitsgemeinschaft Jagdvereine Nordhessen“ ein Weiterbildungsseminar für ihre Mitglieder im Naturzentrum Knüll abgehalten. Der verantwortliche Ansprechpartner und Koordinator der Jagdvereine Nordhessen Herr Harald Schütz vom KJV "Hubertus" Fritzlar-Homberg e.V., hatte dazu auch Kristine Conrad von der Anti-Jagd-Allianz e.V. eingeladen. Unter dem Tagesordnungspunkt „Ein zeitkritischer Vortrag: Der Jäger in der Öffentlichkeit“ wollte Herr Schütz den Jagdgegnern das Wort erteilen, um mit einer authentischen Darstellung seinen Jagdkollegen die andere Sicht auf die Jägerschaft vor Augen zu führen.

Auslöser für das Zusammentreffen der ungleichen Vereinigungen war der Informationsstand der Anti-Jagd-Allianz e.V. mit pro iure animalis auf der Frühjahrsmesse 2012 in Kassel. Dort waren die Jäger der „AG Jagdvereine Nordhessen“  in derselben Halle mit ihrem Stand unweit der Anti-Jagd-Allianz e.V. platziert, was natürlich zu täglichen Kontroversen führte. Eventuell führten die etlichen Gespräche zwischen Herrn Schütz und Frau Conrad auf der Frühjahrsmesse dazu, dass Herr Schütz zumindest gewisse Schnittmengen zwischen Jäger und Jagdgegner sieht. Seine Einladung und dem Angebot am zweiten Seminartag aus der Sicht der Jagdgegner über die Jagd zu referieren und danach in eine offene Diskussion einzusteigen, um die Schnittmengen zu definieren, nahm Frau Conrad natürlich gerne an, auch wenn seitens der Jagdkritikerin bis dato noch keine Schnittmengen erkennbar waren. Ein zeitkritischer Vortrag „Der Jäger in der Öffentlichkeit“ mit der Behandlung der Themen Haustierabschuss, Fallenjagd, Baujagd, Jagdhundeausbildung und Waffenbesitz war von dem Veranstalter gewünscht.

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Pause ohne die Referenten: Marc Buchtmann
(Wir Füchse), René Hartje (Anti-Jagd-Allianz e.V.)
und Harald Hoos (pro iure animalis) 

 

Kristine Conrad und René Hartje (Anti-Jagd-Allianz e.V.), Harald Hoos (pro iure animalis) und Marc Buchtmann (Wir Füchse) nahmen gemeinsam die Herausforderung an und folgten der Einladung. Vom Veranstalter geplant, war zunächst die Darlegung der Gründe und Fakten bezüglich der ausgesuchten Themen und Ausführung über Erfahrungswerte aus der Öffentlichkeit seitens der Jagdgegner. Im Anschluss sollte dann nach einer kurzen Pause kontrovers über die vorgetragenen Inhalte diskutiert werden. Sicherlich sahen beide Seiten diese Herausforderung als Chance eine Änderung herbeizuführen, doch sicher auch aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Schon bei den einführenden Worten hat Kristine Conrad eben diese Situation aufgegriffen und keinen Zweifel daran gelassen, dass es für die angereisten Referenten nicht um ein „ein bisschen weniger Jagd“ geht, sondern die vier geladenen Jagdgegner ihre Vereine und Initiativen mit dem Zweck betreiben, ein vollständiges Jagdverbot zu erzielen. Wofür neben den Tierschutzaspekten auch die moderne Sicht der Wildbiologie spricht. Die heutigen Themen seien nur eine Handvoll an Beispiele aus dem Gesamtkonzept der Jagdkritiker.

Harald Hoos führte später aus, dass auch Jagdgegner in der Regel wissen, dass es aufgrund der politischen Lage kein Jagdverbot auf einen Schlag geben werde, aber dass es deshalb umso wichtiger sei, umgehend erste Schritte diesbezüglich einzuleiten. Die Jagd löse keine Probleme sondern schaffe diese erst, so die Meinung der Vortragenden und wie bekannt, lösen die hochemotionalen Themen Haustierabschuss und Fallenjagd selbst in Kreisen der Jäger untereinander Diskussionen aus.

Die Vortragenden stellten dabei klar, dass diese beiden Jagdpraktiken von ihrer Seite in keinem Punkt verhandelbar sind. Hier könne nur ein schnellstmögliches Verbot das Ziel sein. In den weiteren Ausführungen wurde auf eine Vielzahl widersprüchlicher Standpunkte bei der Jagd eingegangen, wie beispielsweise die Annahme, Verbissschäden mit dem Gewehr bekämpfen oder Populationen „zurechtschießen“ zu können. Breiten Raum nahmen immer wieder auch das Bild des Jägers in der Öffentlichkeit und das Verhalten der Jäger gegenüber der Bevölkerung ein. Standpunkte, die aus Fakten resultieren und sicher in weiten Teilen auch auf wenig Verständnis bei den ca. 20 anwesenden Jägern gestoßen sind. Nach dem knapp zweistündigen Vortrag gab es die besprochene Pause und die Jägerschaft ging in die Beratung. Ohne die Referenten. 

Die anschließend geplante Diskussion jedoch, wurde aufgrund der offensichtlich doch sehr unterschiedlichen Auffassungen innerhalb der Jägerschaft und der Fülle an angesprochenen Themen nicht mehr geführt. Ergebnisoffen und wortreich wurde den geladenen Jagdgegnern von Herrn Werner Wittich (1. Vors. d. KJV „Hubertus“ Fritzlar-Homberg und Vorstandsmitglied im LJV Hessen) und Herrn Prof. Dr. Gerd Rohmann (1. Vorsitzender d. Kasseler Jägerschaft Hubertus e.V.) erklärt, man wolle ein weiteres Treffen zu einem späteren Zeitpunkt organisieren, wenn man die Erkenntnisse mit den Vorsitzenden der einzelnen Jagdvereine der „AG Jagdvereine Nordhessen“  besprochen habe. Von vorhandenen Schnittmengen war nicht mehr viel zu hören, aber die beiden Vorsitzenden gaben quasi ihr Wort darauf einen Wandel in der Jägerschaft einzuläuten.

Nun heißt es also abwarten und schauen, wie, wann und wo die Diskussion – die leider noch gar keine war – weitergeführt wird. Die anwesenden Waidfrauen und Waidmänner der „AG Jagdvereine Nordhessen“  wollen eine Veränderung anstreben, hieß es. Ob jedoch wirklich zugunsten der Tiere oder nur zugunsten des Jägerbildes in der Öffentlichkeit, bleibt genauso abzuwarten wie der Beweis, ob man heutzutage noch was auf das Wort eines Jägers geben kann.

Die Anti-Jagd-Allianz e.V., pro iure animalis und Wir Füchse stehen bereit den Dialog zugunsten der Tiere fortzuführen. Sollten die Jäger jedoch wieder im Unterholz abtauchen, begegnen sich die beiden Gegenpole spätestens und live bei der Frühjahrsmesse 2013 wieder. Und dann wird nachgefragt, wie ernst die geplanten Veränderungen für die Tiere gemeint waren.